Geschichte

    Erste Spuren menschlicher Ansiedlung im Gebiet der heutigen Gemarkung Egelsbach lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen; die Anfänge des Dorfes selbst, wohl als Hube im ehemals bewaldeten Gebiet, sind nicht exakt zu datieren.

    Die an dem einst bedeutenden Handelsweg Frankfurt-Worms entstandene Siedlung gehörte zum Ortsverband Langungon (Langen) und kam mit diesem durch Schenkung in den Besitz des Klosters Lorsch.

    Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1275 zurück. In einem Teilungsvertrag der Brüder Philipp und Werner von Falkenstein ist von "Elsbach" die Rede, das zu dieser Zeit zum Reichsforst Dreieich gehörte.

    Es setzten dann hartnäckig geführte Bemühungen ein, sich gegenüber dem Nachbarort Langen abzugrenzen und selbständig zu werden.


    Um 1350 besitzt Egelsbach das Burgrecht zu Frankfurt am Main. 1428 kann es die Einkünfte aus der Bede endgültig an sich ziehen. 1489 ist ein eigenes Niedergericht mit einem Schultheißen und sieben Schöffen bezeugt. 1518 erlauben die Grafen Philips, Dieter und Johann von Isenburg den Egelsbachern, ein eigenes Gerichtsbuch zu führen, um "alle des gerichts und der gemeyne zu Egelsbach und andere notturftige sachen" aufzuzeichnen.

    Egelsbach wechselte mehrfach den Besitzer, wurde bis 1600 von den Isenburgern regiert und kam dann unter hessische Oberherrschaft. Aus den Jahren Anfang des 30-jährigen Krieges existieren Abdrücke eines Gerichtssiegels. Der Stempel selbst ist aber verloren gegangen.

    Ein anders gestaltetes Siegel ist aus dem Jahre 1708 überliefert. Hier erwächst ein Eichbaum mit 3 Eicheln aus einem Herzen. Der Eichenzweig weist auf die ehemalige Zugehörigkeit zum Reichforst Dreieich hin. Dieses Wappen wurde dann zum Vorbild eines 1953 verliehenen Gemeindewappens.

    Die jetzige Kirche hat ihren Ursprung in einer Ost-West-Kapelle, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit einem gotischen Anbau versehen wurde. 1614 wurde diese Kapelle abgerissen, und es entstand eine geräumige Predigtkirche, die nunmehr im Gegensatz zu der abgerissenen Kapelle in Nord-Süd-Richtung angeordnet war. Haupteingang ist jetzt an der Nordseite. Auf dem Nordgiebel wurde ein beschieferter Dachreiterturm aufgesetzt.

    1750 wurde der Südgiebel wegen Baufälligkeit abgebrochen, durch eine Verlängerung des Baukörpers ersetzt und mit einem Walmdach versehen. Dieser Bauzustand entspricht im wesentlichen noch dem jetzigen.

    Aus der alten Kapelle ist noch eine Wandmalerei erhalten: Oberteil eines Christus um 1330, der Rest aus einem gotischen Zyklus der Katharinenlegende. Die Kreuztragung ist aus einer Zeit um 1615.

    1705 wurde die Kirche zur Pfarrkirche erhoben; erster Pfarrer war A. L. Sann. Das Jahr 1732 ist dann für die Gemeinde Egelsbach insofern besonders wichtig, als der mit Langen gemeinsame Markwald zwischen beiden Gemeinden im Verhältnis 2 : 1 aufgeteilt wurde.

    Egelsbach entstand als Zweistraßendorf um die im Mittelpunkt gelegene gotische Kapelle. Die beiden in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen des gestreckten Dorfkerns, heute Schul- bzw. Weedstraße und Ernst-Ludwig-Straße, folgen nahezu parallel dem Tränkbach (Egelsbach), der im Norden die Ortsbegrenzung bildet.

    Im alten Ortskern wird das Straßenbild bestimmt durch die Reihung der in den Straßenkrümmungen parallel gestaffelten Fachwerkhäuser; diese Anordnung bleibt charakteristisch auch dort, wo das Fachwerk verdeckt oder durch Neubauten ersetzt ist.

    Etwa zwei Dutzend dieser überwiegend unverzierten Bauernhäuser, in fränkischem Fachwerk ausgebildet, Balkeninschriften geben Aufschluss über die früheren Erbauer, Besitzer oder auf das Entstehungsjahr. Die meisten Hofreiten waren ursprünglich mit Wohnhaus, Stallungen und Scheune ausgebildet und wurden überwiegend im 18. Jahrhundert errichtet.

    Hinsichtlich der Hoftypen sind der Vollerwerbshof, z. B. Langener Straße, als überdurchschnittlich großes Anwesen und der kleine Landarbeiter- oder Nebenerwerbshof, wie er in der Weedstraße anzutreffen ist, zu unterscheiden. Ein seltener Hoftyp steht als eckbeherrschendes Einhaus mit direkt angebauter Scheune in der Ernst-Ludwig-Straße 89. Seine lange Traufewand mit Scheunentor besetzt noch heute optische Signalwirkung am Anfang des Ortskerns. Im Gegensatz zu den ortsüblichen hellverputzten Fachwerkfeldern weist das Fachwerkhaus Ernst-Ludwig-Straße 79 (jetzt Gasthaus "Zum Elias") als Besonderheit eine ornamentale Backsteinausfachung von regionalem Seltenheitswert auf.

    Vereinzelte Konstruktionsmerkmale im weitgehenden ungestörten Fachwerkverband datieren die Entstehung des ältesten erhaltenen Egelsbacher Bauernhauses, eines Hakenhofes, in der Schulstraße 28, noch bis ins 17. Jahrhundert. Dafür sprechen die niedrigen Geschosse ohne Halsriegel und der stehende Dachstuhl.

    Das ehemalige Wachlokal der Ortspolizei ist ein Beispiel für den heute seltenen Typus des Wachthauses. Eine Besonderheit ist hier die Verbindung des älteren Kellers eines ehemaligen Rathauses mit dem loggienartigen Aufbau. Die Vorderfront des heute freistehenden Gebäudes ist ein charakteristisches Element der Ortsmitte.

    Weitere Informationen sowie Dokumente direkt beim Geschichtsverein Egelsbach