Auf dem Weg zur interkommunalen Zusammenarbeit

    Langen und Egelsbach wollen die Mülltonnen gemeinsam leeren

    Langen und Egelsbach wollen bei der Müllabfuhr und Abfallentsorgung gemeinsame Wege gehen. Die Pläne dafür sind jetzt spruchreif. Ziel ist es nach den Worten der Bürgermeister Frieder Gebhardt (Langen) und Jürgen Sieling (Egelsbach), eine GmbH zu gründen, die sich vom Restmüll über die Biotonne, den Gelben Sack und das Altpapier bis zum Sperrmüll und den Wertstoffen um alles kümmert, was übrig bleibt und weg muss. Von dieser interkommunalen Zusammenarbeit profitierten beide Partner, sie sei ein Gewinn. So ohne weiteres kann die Kooperation aber nicht besiegelt werden. Ein Zwischenschritt ist erforderlich.

    Schon jetzt ist Langen mit seinen Kommunalen Betrieben (KBL) und deren Tochter ASG Abfallservice Südhessen GmbH bei der Müllabfuhr in Egelsbach mit im Boot: als Subunternehmer der Firma Veolia. In Langen selbst leert die ASG ebenfalls die Tonnen und kümmert sich obendrein um die Straßenreinigung. KBL ist an der Gesellschaft mit 51 Prozent beteiligt, die Veolia Umweltservice West GmbH, in der das frühere Egelsbacher Unternehmen Knöß und Anthes aufgegangen war, hält den Rest. Um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kommunen unter Dach und Fach zu bringen, soll eine gemeinsame GmbH gegründet werden, die aus der ASG hervorgeht. Zu diesem Zweck will KBL den 49-Prozent-Veolia-Anteil erwerben.

    Laut KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski würde es die Transaktion ermöglichen, anschließend die Gemeinde Egelsbach an der dann rein kommunalen ASG zu beteiligen. Orientiert an den Einwohnerzahlen könne der Egelsbacher Anteil bei rund 25 Prozent liegen.

    Beide Kommunen haben bereits vor einigen Monaten in einer Absichtserklärung dafür plädiert, beim Abfall gemeinsam zu handeln und zur Klärung der Einzelheiten eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Diese hat inzwischen geliefert. Den politischen Gremien in Langen und Egelsbach liegt jetzt eine Vorlage mit einem Grundsatzbeschluss zur interkommunalen Zusammenarbeit vor, den die Betriebskommission der Kommunalen Betriebe schon in der vorigen Woche gefasst hat.

    Demnach soll die KBL-Tochter ASG mit Egelsbach als Gesellschafterin und unter neuem Namen damit beauftragt werden, ab 2019 die Müllabfuhr sowohl in Langen als auch in Egelsbach zu organisieren. Aber damit nicht genug. Auch der künftige Wertstoffhof an der Darmstädter Straße soll für die Egelsbacher zugänglich gemacht werden. Für die Nachbarkommune wäre das allein schon deswegen eine charmante Lösung, weil sie dann darauf verzichten könnte, ihren eigenen Wertstoffhof neu zu bauen.  

    „Wir wollen mit Egelsbach eine faire Partnerschaft auf Augenhöhe“, betonte Langen Verwaltungschef Gebhardt. Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Fachleute zeigten, dass beide Kommunen damit Geld sparen könnten. „Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen.“

    Für seinen Egelsbacher Kollegen Sieling ist die interkommunale Zusammenarbeit das Gebot der Stunde. „Da darf es keine Scheuklappen geben. Wenn das organisatorisch und vertraglich transparent und effizient geregelt wird, kann es den Menschen in Langen und Egelsbach nur Vorteile bringen, wenn wir die Müllabfuhr und Wertstoffentsorgung gemeinsam erledigen. Das kann und soll eine Win-win-Situation werden.“ 

    Pusdrowski, der auch Chef der Stadtwerke Langen ist, hob hervor, dass Langen und Egelsbach in dem Versorgungsunternehmen seit Jahrzehnten bei Energie, Wasser und dem öffentlichen Personennahverkehr ÖPNV kooperierten – und das sehr erfolgreich. „Ich freue mich, dass jetzt über die Kommunalen Betriebe, die ja quasi ein Teil der Stadtwerke sind, weitere Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge dazukommen.“

    Falls nun die Grundsatzbeschlüsse in Langen und Egelsbach gefasst werden, wird sich die eingesetzte Arbeitsgruppe abermals ans Werk machen, um Mitte 2018 die Umsetzungsplanung und die erforderlichen Verträge zur abschließenden Beschlussfassung vorzulegen. In Langen steht die „abfallwirtschaftliche Kooperation“ am 21. September auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses und am 5. Oktober auf der der Stadtverordnetenversammlung. In Egelsbach befassen sich damit am 27. September der Haupt- und Finanzausschuss und am 4. Oktober die Gemeindevertretung.

    Lesetipp: Langener Zeitung vom 20.09.2017